Die 1933 eingeweihte „neusachliche“ Brenzkirche.

Kirchensaal 1933.

Geschichte

Einige Fakten und Daten zur Architektur und Entwicklung unserer Brenzkirche.

1933 – NEUBAU

Im internationalen Stil nach den Prinzipien der neuen Sachlichkeit errichtet, wird die von Architekt Alfred Daiber entworfene Kirche am 2. April 1933 eingeweiht: Gestalterische Reduktion und klare Form, große Fenster und viel Licht im Inneren. Charakteristisch: das flache Dach, der offene Glockenstuhl, die Befensterung und die „runde Ecke“ an der Nordseite. Zusammen weisen sie mit einladender Geste den Weg entlang der Rundung zum Haupteingang auf der Westseite.

1939 – UMBAU

Zur Reichsgartenschau 1939 auf dem Killesberg fordert die Stadt, die Brenzkirche umzugestalten, da ihre liberale Baugesinnung das Stadtbild störe. Sie sei den Gästen aus dem In- und Ausland nicht zuzumuten. Der von der inzwischen ausgewechselten Kirchenleitung beauftragte Architekt Rudolf Lempp macht aus dem Flachdach ein Satteldach, versteckt die runde Ecke, verkleinert die Fenster und verwandelt den offenen Glockenstuhl in einen gewöhnlichen Kirchturm. Gemeindeglieder, die nach dem neuen Arierparagraphen als jüdisch gelten, sind in der germanisierten Brenzkirche unerwünscht.

1945 – WIEDERAUFBAU

Der Krieg ist zu Ende. Die Nazis und ihre Opfer sind bedrückende und traurige Geschichte. Der Schutt wird beseitigt, doch ein „Schaden“ bleibt: Der Ungeist der NS-Zeit. 1947 baut derselbe Rudolf Lempp die Brenzkirche in der Art von 1939 mit zusätzlichen, erheblichen Veränderungen im Kirchenraum wieder auf. Nach weiteren Renovierungen in den 1950er und 1960er Jahren wird der entstellte Bau 1983 gar unter Denkmalschutz gestellt. Als „anschauliches Zeugnis für den Kampf, der zur Zeit des ‚Dritten Reiches‘ gegen die moderne Kunst geführt wurde“ bestünde an der „Erhaltung der Brenzkirche ein öffentliches Interesse aus wissenschaftlichen Gründen“.

1947 BIS HEUTE

Der Zahn der Zeit nagt an der 1947, 1953 und 1968 renovierten Brenzkirche. Es bröckelt hier, es wackelt dort. Die verunstaltete Kirche schreit nach Heilung. Die unattraktive Außenerscheinung, die durch den Denkmalschutz festgeschrieben wurde, entspricht in keiner Weise mehr dem Selbstverständnis dieser weltoffenen Gemeinde mit ihren vielfältigen Aktivitäten. Ihrem ursprünglichen multifunktionalen Werkstattcharakter folgend, werden ihre Räume in unterschiedlichster Weise belebt: Für Gottesdienste verschiedenster Art. Als Atelierkirche und Spielraum für die Begegnung von Kunst und Religion. Als Treffpunkt für Glaubende und Suchende, und als Ort der Begegnung von Religionen und Kulturen. Was innen wächst, will und soll auch äußerlich sichtbar werden. Die Feier des Gottesdienstes braucht einen würdigen, ästhetisch ansprechenden Ort und ein einladendes Haus. Neue Ideen brauchen neue vielfältig nutzbare Räume.

2027 NEUGESTALTUNG

2019 wird der Förderverein Brenzkirche gegründet. Mit Hilfe der IBA’27 gelingt es, die Evangelische Gesamtkirchengemeinde in Stuttgart, davon zu überzeugen, einen internationalen Architekturwettbewerb auszuloben. Ein hochkarätig besetztes Preisgericht kürte aus den 15 eingegangenen Arbeiten den Entwurf von Wandel Lorch Götze Wach, Architekten (WLGW) aus Frankfurt am Main zum Sieger.

Fördervereinsvorsitzender Andreas Keller: „Der Entwurf verwirklicht etwas, von dem wir hoffen, dass es die evangelische Kirche des 21. Jahrhunderts repräsentiert.“
Baubeginn Juni 2025 – im Frühjahr 2027 soll die „neue“ Brenzkirche eingeweiht werden.